Google+ 33rpmPVC: Juli 2017

24.07.2017

Für Perlentaucher: Jetzt! - Liebe In Großen Städten 1984-1988

Selbst wenn ich noch nichts von der Platte gehört hätte, würde ich sie mir schon aufgrund des großartigen Covers kaufen. Das allein macht allerdings nur einen Teil des Anreizes aus, sich "Liebe In GROSSEN Städten 1984-1988" der Formation Jetzt! in den heimischen Plattenschrank zu stellen, respektive natürlich auf den Plattenteller zu legen und zu spielen...

Insgesamt gesehen ist es schon verwunderlich, dass man soviel Spitzenmaterial einer Band zusammentragen kann, die es eigentlich zu Lebzeiten auf nicht allzu viel Output und noch weniger Aufmerksamkeit gebracht hat und eigentlich bereits in absolute Vergessenheit geraten war. Geändert haben das vermutlich die zwei hervorragenden Sampler "Falscher Ort, Falsche Zeit", die zuletzt auf Tapete Records veröffentlicht wurden und einige Perlen der Vergangenheit wieder zutage gefördert haben. Darunter eben auch die Band Jetzt!, die sich im Prinzip zu einem großen Teil aus dem Umfeld des ostwestfälischen Fast Weltweit-Label rekrutierte, im speziellen Michael Girke, einem der Labelgründer. Und über das Gütesiegel "Fast Weltweit", mitverantwortlich für alles, was später "Hamburger Schule" genannt wurde, sollte eigentlich kein weiteres Wort mehr verloren werden müssen...

Und nun, nach über 30 Jahren der Versenkung tauchen die Aufnahmen, gespeist aus der erste Single, (Tape-)Sampler-Beiträgen und bisher unveröffentlichte Demos, auf der Compilation wieder auf. Deutschsprachiger Indie-Pop feinster Prägung, dem zu Bestandszeiten leider kein wirklich großer Erfolg beschieden war. Man fragt sich warum? Vermutlich - zumindest war es bei mir Mitte der 80er so - weil man fast nur auf die Insel oberhalb des Ärmelkanals schaute. Dabei waren Jetzt! kein bisschen schlechter als beispielsweise die Pendants aus dem britischen C86-Kosmos. Aber um eben ehrlich zu bleiben hat mich so ziemlich alles, was sich 84-88 im deutschen Indiebereich abspielte auch nicht wirklich erreicht. Mit (erheblicher) Verzögerung nun aber doch. Und der Eindruck dieser phantastischen Platte ist ein bleibender...

Hard, Heavy, Hässlich? Tyler Leads - Stay Ugly

Darf's auch mal etwas Heavy Rock sein? Nicht gerade das übliche Metier, welches ich hier beschreibe, aber die am 28.7. erscheinende EP hat es einfach verdient. Und da Recklinghausen ja praktisch bei mir um die Ecke liegt, tut ein wenig Lokalpatriotismus ja auch nicht weh. Das sehr ansprechende Cover tat sein übriges, da mal reinzuhören. Große Erwartungen hatte ich dabei nicht, dazu habe ich schon zu oft Promos von immer wieder gleich klingenden Band des Genres im Postkasten gehabt und anschließend gelangweilt weggelegt. Bei Tyler Leads war das grundlegend anders. Die Scheibe fesselt von Beginn an. Und geht durchgängig verdammt ab. Ein bisschen erinnern mich einige Songs ein wenig an - man glaubt es kaum und manch ein Fachmetaller mag schmunzeln - Iron Maiden, Judas Priest, Dio oder stellenweise auch an The Cult. Ich bin ja nun auch kein ausgewiesener Metal-Experte und was den Bereich angeht auch irgendwie in den 80ern und der NWOBHM hängen geblieben. Vielleicht ist es aber gerade das, was mir an der CD so gut gefällt. Trotz der Reminiszenzen klingt das aber keineswegs altbacken. Ganz wichtig ist auch, dass der Gesang an keiner Stelle peinlich klingt. Kennt man ja auch anders. Ein stets treibender Rhythmus (siehe Video unten) und einfach sehr gutes Songwriting machen diese doch außergewöhnliche Heavy-Rock-Scheibe zu einer echten Empfehlung. Kleines Manko - kein Vinyl! Stay Ugly? Meinetwegen...

22.07.2017

3 x neu: Fuzzy Vox, Karoshi und The Moorings

Nachdem ich die französische Garageband Fuzzy Vox hier ja bereits kurz vorstellen durfte, hatte ich jetzt die Gelegenheit mir das ganze am 14.07. erschienene Album mit dem Titel "No Landing Plan" (Kidnap Music) anzuhören. Und der Titel des Werks veranschaulicht in etwa, was einen erwartet. Da gibt es keinen Autopilot - der Flugzeugführer scheint nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein und dreht einen Looping nach dem anderen. Und auch wenn der Flieger tief in den 60ern gebaut wurde, wird er mit Kerosin der Marke Punkrock und Rythm & Blues der ursprünglichen und rohen Sorte angetrieben. Mehr Garage, respektive Hangar geht nicht. Auch wenn man beim Flug durch die Titel nicht das sichere Gefühl bekommt, wieder ebenda zu landen. Die Band weiß definitiv, wie man ein Brett nach dem anderen raushaut und lässt auch durch eingestreute Tempowechsel an keiner Stelle Langeweile aufkommen. Die Platte ist eine absolute Empfehlung und Fuzzy Vox sind im August und Dezember auch in Deutschland unterwegs...


Frei übersetzt bedeutet Karoshi auf Japanisch "Tod durch Überarbeiten", also mehr oder weniger  ein extremer Fall von Burnout und in Japan in den 80ern ein durchaus sehr ernstzunehmendes Phänomen. Daraus einen Bandnamen zu kreieren, kann man gelinde gesagt schon als recht provokant bezeichnen. Zumal die Musik der 2003 gegründeten Kölner Skapunker alles andere als depressiv erscheint. Nach nunmehr acht Jahren Schaffenspause, hätte man fast denken können, die Herren plus Dame hätten ihren Namen zum Programm gemacht und sich aus dem Diesseits verabschiedet. Das dem nicht so ist, beweist der für den 25.08. angekündigte und äusserst lebendige vierte Longplayer mit dem bedeutungsschwangeren Titel "Rabauken und Trompeten". Feinster Skapunk-Hardcore-Mix, durchaus auch mal der schrofferen Sorte, eventuell vergleichbar mit - nach 8 Jahren und drei (!) vorherigen Platten könnte ich auch schreiben "sich selbst" - Bands wie den Mighty Mighty Bosstones oder Catch 22. Kann man so machen und wird irgendwie auch nie langweilig. Man darf aufs neue Album gespannt sein...


Es gab mal eine Phase, da bin ich voll auf die Dropkick Murphys und artverwandte Acts abgefahren. In den letzten Jahren wurde das weniger, was nichts mit den Bands an sich zu tun hat, als vielmehr mit meinen immer wiederkehrenden musikalischen Schwerpunktwechseln. Trotzdem mag ich die Musik natürlich nach wie vor. Nun liegt mir hier ein Exemplar des Albums "Unbowed" einer Band namens The Moorings vor, von denen ich zugegebenermassen noch nie vorher etwas gehört habe. Erscheinen wird die Scheibe am 01.09.2017. Und drin ist eigentlich genau das, was man erwartet hat. Das eigentlich erstaunliche daran ist nur, dass die Band weder von der irischen Insel, noch aus Boston stammt, sondern aus Frankreich. Geboten wird Celtic-Folkpunk, der nahtlos an den Dropkick Murphys oder an Flogging Molly anschließt. Hört sich klasse an und ist auch klasse. Und eignet sich vor allem dazu, die Platte laut zu hören und - Textsicherheit hin oder her - die Songs mit Guiness oder Irish Whisky im Glas mitzuschmettern...




20.07.2017

Intro: Phonetic Circle



Phonetic Circle aus Hamburg heute in Dortmund bei Sommer am U in Dortmund. Mal sehen, was die live bieten. Was ich bisher hören konnte, klingt jedenfalls sehr vielversprechend...

17.07.2017

2. Album erschienen: Fuzzy Vox - No Landing Plan

Am 14. Juli ist der zweite Longplayer "No Landing Plan" der französischen Garagenrocker Fuzzy Vox erschienen. Der Titel unten im Video ist ein Coversong der Easybeats feat. Lisa Kekaula von Bellrays / Lisa & The Lips als Gastsängerin. Und in der Art geht's auch durch die ganze Scheibe. Der Bandname ist Programm...







14.07.2017

Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen - It's OK To Love DLDGG


Ich weiß nicht genau, was mir besser gefällt - "Rüttel am Käfig" oder "Ampeln auf Gelb"? 
Eine wirklich gute Frage, die DLDGG im Opener ihres neuen Opus da sich selbst oder dem geneigten Hörer ans Herz legen. Eine Grundsatzfrage? Vielleicht! Besser wird die Ausgangslage zur Beantwortung mit dem nun gerade erschienenen Album "It's Ok To Love DLDGG" auch nicht gerade. Reiht es sich doch nahtlos ein, in die ohnehin schon auf Höchstniveau eingespielten drei vorangegangenen Werke. Nicht wirklich einfach, sich für eins von den Vieren als DAS Lieblingsalbum zu entscheiden. Bleibt nur alle zu kaufen, alle hören und zwar oft...

Nun sind mir aber schon beim Erscheinen des letzten Albums "Rüttel Mal Am Käfig, Die Affen Sollen Was Machen", viele Stimmen, obwohl der Band grundsätzlich durchaus zugeneigt, ans Ohr gedrungen, die die Platte zwar gut fanden, aber nicht mehr so gut wie die vorherige. "Nichts aufregend Neues", "Die anderen Platten hatten mehr Hits", und so weiter. Und es steht zu vermuten, dass ein ähnlicher Tenor nun wieder erschallt. Gut, ein neuer Musikstil wurde weder zuletzt, noch jetzt erfunden. Aber will man das? Stimmt die Kritik, die eh nur subjektiv sein kann, überhaupt? Meiner bescheidenen Meinung nach - überhaupt nicht! "Rüttel mal am Käfig..." war ein ebenso durchgängig gutes Album voller guter Songs, bei dem für mich keiner davon in irgendeiner Form schlechter oder langweiliger war, als bei den beiden Erstlingen. Und nachdem ich mir "It's Ok To Love DLDGG" nun heute bereits zum vierten mal nacheinander angehört habe, gilt das hierfür ebenso. Denn musikalisch ist diese Band ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Natürlich braucht es bei neuen Alben altbekannter Helden immer etwas Zeit, sich an die neuen Songs zu gewöhnen. Zu stark verinnerlicht sind oftmals die Stücke der Vorgänger. Fast allesamt mittlerweile Klassiker. Potential ebensolche zu werden, ist auf "It's Ok To Love DLDGG" aber reichlich vorhanden. Und das mit - ich zitiere - "Vintage Sound, jetzt noch moderner". Womit der berühmte Nagel auf den Kopf getroffen wäre...

Die ja schon immer mit immensen Wortwitz versehenen Texte, sind eingepackt in immerzu groovenden Hamburg-Soul. "Floater und Pounder" die im Gegensatz zur Vorgängerband Superpunk, meines Erachtens mittlerweile nahezu völlig vom Punk befreit sind. Man spürt naturgemäß in vielen Songs die Einflüsse aus Detroit und Memphis, aber auch viele Reminiszenzen und Verweise an die musikalische Mod-Tradition aus R&B und British Invasion. Gleich beim Titelstück musste ich an Brian Auger's Trinity und die Nummer "Black Cat" denken, wofür vermutlich die Hammond B3 verantwortlich ist. Der "Song für Eis Gerd" geht im Prinzip als Pub Rock-Nummer durch. Und wenn "Die Welt braucht mehr Leute so wie dich" nicht nach "David Watts" von den Kinks (bzw. dem Cover von The Jam) klingt, dann weiß ich's nicht. Vielfach klingen für mich auch die souligen Seiten von 60s-Bands wie The Action, The Creation oder den Small Faces durch. Der Durchlauf der Songs ist stimmig und macht beim Ende des letzten Songs gleich wieder Lust, die Nadel nach vorne zu skippen. Reichlich illustre Gäste im Chor, wie Bernd Begemann oder Andreas Dorau runden das eindrucksvolle Bild ab...

01.07.2017

Welcome to Wonderland



In der eigenen Wahrnehmung von Musik kommt es immer wieder, zumindest wenn man an tiefergehenden Zusammenhängen interessiert ist, zu äußerst interessanten Querverweisen, wundersamen Entdeckungen und ungeahnten Zusammenhängen. Manchmal übersieht man aber auch das Offensichtliche, bei dem der ein oder andere sagen wird: "Wie? Das wusstest du nicht?" In Bezug auf die 1968 formierte Band Wonderland liegt dieses Erweckungserlebnis schon ein paar Jahre zurück, war aber tatsächlich ein solches. Zum ersten mal gesehen habe ich Wonderland bei einer televisionären Rocknacht, in der viele Clips aus alten Beat-Club- und Musikladen-Tagen liefen. Das Format habe ich mittlerweile schon einige male wiederholt im Fernsehen wahrgenommen. Es waren viele tolle Sachen darunter. Mit dabei eben auch Wonderland mit ihrem wohl bekanntesten Titel "Moscow"...